Das Dunkle gehört dazu

09.02.2019

 

 

Ich habe neue Federcollagen gemacht.

Eine der letzten ist ein Bild mit einer Flamingofeder geworden. Und eigentlich war das Bild schon fertig.

Eigentlich.

Doch es störte mich etwas. Es war so sehr harmonisch, so gefällig (in meinen Augen) - sehr Pretty in Pink.

Und ich fand auch, dass der teilweise schwarze Schnabel des Vogels zu sehr aus den zarten, lichten Farben herausstach.

 

 

 

 

Also brütete ich ein wenig und setzte mich am Abend erneut an meinen Zeichentisch.

Mehr Kontrast musste her - Schwarz wollte ich einsetzen.

Denn seien wir mal ehrlich, so schön es auch ist, wenn permanent die Sonne scheint - wir brauchen auch die Wolken und den Regen.

Jeder, der fotografiert weiß, dass eine perfekte Landschaftsaufnahme meist nicht in hellstem Sonnenglanz gelingt. Erst durch einen Himmel, der sich verfärbt, an dem sich dichte Wolken auftürmen, die ihre Schatten werfen, wird so ein Foto erst interessant. Gerade am Meer ist das gut zu beobachten. 

Unser Auge mag Kontraste und Schattierungen. Wir sind gegenüber vielen Tieren in der Lage, unzählige Farben und Nuancen zu unterscheiden.

Da ich Zeit sparen wollte, pinselte ich einfach drauflos. Die Feder war schon aufgeklebt, und ich wollte mir nicht die Mühe machen, sie abzulösen, weil das immer das Risiko der Beschädigung in sich trägt.

Und so malte ich sozusagen drum herum.

Okay. Fertig. Schon besser. Oder nicht? Hatte ich das Bild nur verschlimmbessert?

Die Idee war ja nicht schlecht, doch nun ging der Flamingo völlig unter, und der Blick fiel zuerst auf dieses merkwürdige Gebilde auf der rechten Seite des Bildes. Eine merkwürdig lange Feder hatte ich da fabriziert, die nicht zum Rest passte, also malte ich weiter, versuchte mit neuen, grünlichen Akzenten noch was zu retten.

Doch ich hätte es wissen müssen. Der Abend ist nicht meine kreativste Tageszeit.

Das ist vielmehr der frühe Morgen und Vormittag - dann, wenn das Tageslicht zum Fenster hereinfällt.

Ich bin einfach ein früher Vogel - und ich arbeite am besten morgens.

So ging ich also schlafen und schaute heute Morgen noch einmal auf die Collage. 

Bei Tageslicht besehen, gefiel sie mir noch weniger als am Abend zuvor.

Mein innerer Kritiker maulte und nörgelte: "Das kannst du doch viel besser. Wie sieht denn das aus?"

Und manchmal ist es gut, auf ihn zu hören - wir haben ihn ja nicht umsonst.

In diesem Falle hatte er einfach mal Recht.

Ergeben nahm ich meinen Platz ein und löste vorsichtig die Feder ab.

Okay, also nochmal von vorne.

Und so übermalte ich zuerst die dunklen Gebilde, auch dieses kleine Blumenensemble am rechten, unteren Rand, denn es gefiel mir auch nicht. Wieso hatte ich das dort hingemalt? Es passte so gar nicht zum Rest des Bildes.  Schließlich tupfte ich anschließend mit den Fingern ein paar Farbkleckse auf die nun wieder freie Fläche, denn Schwarz wollte ich unbedingt in der Gestaltung mit hineinnehmen. 

Noch ein paar grüne Blätter. Fertig.

Die Feder, die zum Glück heil geblieben war, musste jetzt ein wenig verschoben werden.

Alles in allem bin ich zufrieden und kann das Ergebnis so stehen lassen.

 

Wieder was gelernt: nämlich - wie wichtig ein vernünftiger Hintergrund ist, für den ich mir ausreichend Zeit nehme, wie sehr die dunkleren Farben die hellen unterstützen, und dass ich am Abend lieber Buchhaltung mache als den Pinsel zu schwingen.

 

 

 

 

 

 

                                              

 

 Nr. 2

 Zu starker Kontrast.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                       

Nr. 3

Fertig                                                                     

 

 

 

 

 

                                                                                                                                  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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