Vergessenes wiedergefunden
- 7. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Gestern hatte ich Lust, in ein Café am Kudamm zu fahren, in dem ich mich häufig mit einer Freundin getroffen hatte. Ich schrieb die Freundin an, ob sie Zeit hätte, mich zu treffen, sah mich aber noch um, ob ich ein Buch oder ein Sketchbook finden könnte, um mir die Zeit dort allein zu vertreiben.
Meine Sketch- und Art-Bücher sind alle voll, doch ganz hinten im Schrank fand ich dann doch noch ein Din-A-5-Heft und holte es heraus. Als ich das aufschlug, war ich total verwundert, denn auf den ersten Seiten sind einige gemalte Motive.
Diese Einträge sind 10 Jahre alt, und ich hatte komplett vergessen, dass ich sie jemals angefertigt hatte.
Sie alle stammen aus 2016 - einer Zeit, in der es mir nicht so gut ging, ich meinen Beruf für immer an den Nagel hängte (so dachte ich damals) und mich neu orientieren wollte, bzw. erst mal Zeit brauchte, um mich zu sammeln und zu ergründen, was denn überhaupt los wäre.
Im Job war ich damals mehrfach mit dem Thema Borderline konfrontiert - und tatsächlich findet sich in den Zeichnungen auch dieses Thema.
Wenn ich mir diese alten Zeichnungen jetzt ansehe, so staune ich über die Intensität der Aussage.
Es sind alles kleine Bilder, die nur mit einem Strich entstanden sind (meist sogar mit der linken Hand ausgeführt). Also den Fineliner angesetzt, über das Papier fahren lassen - in Windungen und Krickelkrakel - und hinterher mit Buntstiften ausgemalt.
Es ist ein bisschen so, als würde ich durch ein altes Tagebuch blättern.
Anscheinend sich diese Zeichnungen schon vor "Linny", oder etwas zur gleichen Zeit, entstanden.
Ich hatte das komplett vergessen.
Und bin froh, dass ich sie wiedergefunden habe. Denn Vieles aus der Zeit habe ich vernichtet.
Ich werde mir das alles noch mal in Ruhe ansehen - und vielleicht dort wieder ansetzen, möglicherweise diese Art der Zeichnungen noch ergänzen und erweitern.
Gestern packte ich das Büchlein in meinen Rucksack und fuhr zum Café.
Die Freundin kam dann doch, und es war keine Zeit, um eine neue Zeichnung anzufertigen, denn wir hatten einen höchst vergnüglichen Nachmittag und viel zu erzählen, weil wir uns lange nicht gesehen hatten.
Aber ich freue mich wirklich sehr, dass dieses Zeugnis aus meiner Vergangenheit aufgetaucht ist.
Zumal mir wieder bewusst wurde, wie hilfreich so ein Break für das eigene Leben ist - selbst wenn es sich um Burnout oder Depression handelt.
Ich habe einige Zeit gebraucht, um da wieder herauszukommen - aber letztlich habe ich dadurch die Malerei für mich entdeckt.
Eine Chance für einen Neuanfang, ein Zugang, in dem mein Unterbewusstes eingeladen war, sich zu zeigen.
Mir ermöglichte die Kunst eine Reise zu meiner inneren Quelle, ein schöpferisches Abenteuer, das mir erlaubte, meine Muster zu erkennen und langsam zu verändern, mich mutig meinen Themen zu stellen.
Und zu erkennen, dass der Stress im Außen natürlich was mit mir selbst zu tun hat, und dass ich ihm besser begegnen kann, wenn in mir etwas zur Ruhe gekommen ist.
Insofern: Mein Rat an alle: Werdet kreativ! Womit auch immer. Es lohnt sich.

























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